Urig, gut und bayrisch

Lüftlmalerei

Goethe in Bayern

aus der "Italienischen Reise"

Vom 3. bis zum 7. September 1786 reiste Goethe auf seiner ersten "Italienischen Reise" durch Bayern. Dabei werden mehr oder weniger ausführlich Städten und Gemeinden als Etappenpunkte vorgestellt. , hier sind zitiert nach Goethe's sämmtliche Werke in fünfundviertig Bänden, Fünfundzwanzigster Band: Italienische Reise. I., Leipzig, aus den Einträgen

  1. Regensburg, den 4. September 1786.
  2. München, den 6. September 1786.
  3. Mittenwald, den 7. September 1786. Abends.
  4. Auf dem Brenner, den 8. September 1786. Abends. (nur 1. und 2. Absatz)

 

Auf dem Brenner, den 8. September 1786. Abends.

KarwendelHierher gekommen, gleichsam gezwungen, endlich an einen Ruhepunkt, an einen stillen Ort, wie ich ihn mir nur hätte wünschen können. Es war ein Tag, den man jahrelang in der Erinnerung genießen kann. Um sechs Uhr verließ ich Mittenwald, den klaren Himmel reinigte ein scharfer Wind vollkommen. Es war eine Kälte, wie sie nur im Februar erlaubt ist. Nun aber bei dem Glanze der aufgehenden Sonne die dunkeln, mit Fichten bewachsenen Vordergründe, die grauen Kalkfelsen dazwischen und dahinter die beschneiten höchsten Gipfel auf einem tieferen Himmelsblau, das waren köstliche, ewig abwechselnde Bilder.

Bei Scharnitz kommt man ins Tirol. Die Grenze ist mit einem Walle geschlossen, der das Tal verriegelt und sich an die Berge anschließt. Es sieht gut aus: an der einen Seite ist der Felsen befestigt, an der andern steigt er senkrecht in die Höhe. Von Seefeld wird der Weg immer interessanter, und wenn er bisher seit Benediktbeuern herauf von Höhe zu Höhe stieg und alle Wasser die Region der Isar suchten, so blickt man nun über einen Rücken in das Inntal, und Inzingen liegt vor uns. Die Sonne war hoch und heiß, ich mußte meine Kleidung erleichtern, die ich bei der veränderlichen Atmosphäre des Tages oft wechsele.