Urig, gut und bayrisch

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4. Vergangenheit

Das Bayrisch kennt keine Imperfekt und auch kein Plusquamperfekt

Im Bayrischen kommen weder Imperfekt (1. Vergangeheit) noch Plusquamperfekt (Vorvergangenheit). Das Plusquamperfekt, das aus Imperfekt und Hilfsverb zusammengesetzt wird, kann nicht gebildet werden, weil es das Imperfekt nicht gibt.
 

Die Regel:

• Es gibt nur eine Vergangenheitsform, das Perfekt bzw. die vollendete Vergangenheit.
Beispiel:
Statt "ich ging spazieren" und "du wurdest rot," heißt es "ich bin spazieren gegangen" und "du bist rot geworden".

• In Ermanglung des Plusquamperfekts kann das doppelte Perfekt angewandt werden. Es ist keine eigene Zeitform, sondern nur eine Verstärkung des Perfekts und wird gebildet mit dem Perfekt des Hilfszeitwortes und dem Partizip des Zeitwortes.
Beispiel:
Statt "Wir hatten am Tage nur Wasser getrunken, darum schmeckte uns am Abend das Bier so gut" heißt es "Wir haben an dem Tag nur Wasser getrunken gehabt, darum hat uns am Abend das Bier so gut geschmeckt."

• Meist reicht das einfache Perfekt. Umstandswörter (Adverbien) können die Zeitfolge regelmäßig klarlegen.
Beispiel:
"Weil er so schnell gelaufen ist, hat er hernach einen rechten Durst gehabt."